PROMO 2006

TEARS OF DECAY – Promo (2006) 9 min. In Ostfriesland hat die Zeit ein anderes Maß als im Rest der vermerkelten Republik. Mitte des Jahres (also jetzt 2007) wollen TEARS OF DECAY doch wirklich ihre Kadaver wieder in ein Studio schleppen, um den Nachfolger zu „Saprophyt” auf den Weg zu bringen. Hey, das wird aber auch langsam mal Zeit. Und jetzt zack-zack! Zur Einstimmung haben TEARS OF DECAY drei Songs ins Polycarbonat geschnitzt und dem Ganzen den Namen „Promo” verpaßt. Ja, wie soll ich tun? Wer „schöne” Metal-Musik will, hat bei Mr. Deichkot und seinen Instrumentalkrachomanen nichts verloren. Es ist ganz einfach krank! Krank, häßlich und brutal. Irgendwas hat sich bei TEARS OF DECAY getan. Jedenfalls kommt mir der Lärm hier weit direkter und barbarischer vor als das, was ich noch von „Saprophyt” in den Ohren hab. Schändlicherweise bin ich nicht im Besitz der Split-EP mit Brodequin. Vielleicht war da schon einiges anders. Sei’s drum. Hier zumindest gibt’s keine schleppenden Passagen mehr, keine vertrackte Strukturen, keine akustische Gitarre. Nur straightes Grindcore/Death-Gehämmer mit herben Growls und Screams, die dir das Blut aus den Poren treiben. „Deputy of god” könnte man in dem Zusammenhang gar noch als abwechslungsreich bezeichnen. Auf hohem Niveau wird viereinhalb Minuten lang geblastet und ganz locker öfters der Rhythmus gewechselt. Das technische Ami-Gerödel der Gitarren kommt schön durch. Mit dem nächsten Song wird der Sound schlechter, was sich aber durchaus verschmerzen läßt. „Headbango ergo sum” ist ein Siebzig-Sekunden-Grindcore-Parforce-Ritt auf der Kettensäge. Der Groove findet seinen Weg und macht das Matteschütteln leicht. Und dann bin ich, yep. Abschließend „Suicide dimension”, der noch ungestümer losgeht als die anderen Tracks. Der heftige Death/Grind-Mix wird bis zum Ende durchgezogen. Nur am Anfang durchbricht ein gedrosselter Part kurz das Schädelspalten, daß man meinen könnte, der Song sei schon abgeschlossen. Aber dann geht’s erst mal richtig los. Bin mal gespannt, ob die Band dieses Geballer auf der Full-Length komplett durchhält. Wäre wünschenswert!

KLASMA WEBZINE

 

 

Ende 2006 bekam ich ‘ne E-Mail von einem gewissen Michael “Mr.Deichkot alias Anal Phabet, Brother of Metal” Eden, seines Zeichens Sänger der bereits seit 1997 existierenden Knüppelherde TEARS OF DECAY aus Ostfriesland. Der gute Michael war jedenfalls sehr verwundert, dass im mittlerweile recht beachtlichen Plattenbesprechungssammelsurium des CFMD kein einziges TEARS OF DECAY-Review zu entdecken war. Auch war er dazu bereit, diesen Zustand durch Zusendung von zu reviewenden Tonträgern zu ändern. Und ab geht’s: Bei “Saprophyt” handelt es sich um das bereits 2002 via Cudgel Agency (www.cudgel.de) veröffentlichte Debütalbum (an dieser Stelle sei angemerkt, dass man vorher bereits eine Mcd mit dem Titel “Redemption” herausbrachte), welches ganz sicher für diejenigen ein gefundenes Fressen darstellt, die auf Death/Grind amerikanischer Prägung abfahren, denn all das, was eben diese Sparte ausmacht, haben die Ostfriesen auf “Saprophyt” im Gepäck: Brutalität, Groove, Technik, Blast und gutturale Growls (Achtung: Kein (!) Frognoise/Staubsauger-Gerülpse! Sehr löblich!), die immer wieder gern mal mit markerschütternden Schreivokills angereichert werden. Anders als haufenweise Amiherden, die sich inzwischen auf einen möglichst hohen Slamfaktor ihrer Songs versteift haben, regiert bei TEARS OF DECAY (neben einer Menge Groove versteht sich) in schöner Regelmäßigkeit feistes Grindgeknüppel der mitreißenden Sorte, was ich nur begrüßen kann. Na gut, Hits am laufenden Band, wie sie z.B. DYING FETUS zu “Killing On Adrenaline”- bzw. “Destroy The Opposition”-Zeiten von Stapel ließen, haben TEARS OF DECAY hier (noch) nicht am Start, aber im Allgemeinen brauchen sich die Ostfriesen mit ihrem Geballer (mal abgesehen vom Sound der Scheibe, der hätte ruhig noch ‘ne Nummer fetter ausfallen dürfen) ganz sicher nicht von der Konkurrenz aus Amiland zu verstecken. Auch das Layout (kreiert von Thomas Westphal (Necromaniac Zine)) ist ziemlich geil. Besonders das Frontcover rult (ich mag einfach diesen Collagenstil!). Nach dieser Scheibe folge im Jahre 2004 eine auf 1000 Handnummerierte Exemplare limitierte Split-7″ mit der nicht gerade unbekannten Holzhackerbrigade BRODEQUIN und in 2006 eine 3-Song Promo. Jo, auf eben dieser Promo ist das ostfriesische Death/Grind-Kommando seinem Stil absolut treu geblieben bzw. hat ihn noch ein ganzes Stück weit verfeinert. Gleich der erste Song “Deputy Of God” ist hier mein Favorit, der mit seiner Mischung aus gnadenlosem Geblaste und fetten Groove- bzw. Moshparts voll überzeugen kann und kaum die Gelegenheit zum Luftholen bietet. Brutalste Growl-/Kreischduelle (inkl. einiger, fies herausgewürgter, Parts im Stile von John Tardy (OBITUARY)) krönen diese Death/Grind-Vollbedienung. Beim nachfolgenden “Headbango Ergo Sum” (Was für ein Titel!) wird dann zum überwiegenden Teil der Grindhammer ausgepackt und somit bietet der kürzeste und schnellste Song dieser Promo Geknalle ohne Ende. Das letzte Stück “Suicide Dimension” wartet mit einem ziemlich coolen Eröffnungspart auf und lässt es noch mal so richtig krachen im Gebälk, denn Blast und Doublebass haben mal wieder Hochkonjunktur. Auch mit dem Sound kann ich heuer recht gut leben. Fazit: Death/Grind-Freaks wird hier mal wieder deutlich aufgezeigt, dass so richtig fettes Gerödel nicht zwangsläufig immer nur aus Richtung Amiland kommen muss. Wer/welche TEARS OF DECAY bisher noch nicht kannte, für den/die ist diese Promo jedenfalls ein guter Einstieg und Leute, die sich bereits mit ihnen vertraut gemacht haben, können hier nachhören, wie’s mit dem aktuellen Entwicklungsstand im TEARS OF DECAY-Lager ausschaut. Grüße an “Mr. Deichkot” und Ende der Durchsage. Gerste

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